Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran und immer mehr Unternehmen sehen sich der Herausforderung gegenüber, ihre traditionelle IT ins Zeitalter der Industrie 4.0, Big Data und des Internet der Dinge zu bewegen.

Vier Fünftel aller befragter Unternehmen im Rahmen der Cloud Readiness-Studie der Computerwoche, CIO und des TecChannel gaben an, dass ihnen das notwendige Know-how zur Nutzung von Cloud-Services fehlt. Zeitgleich braucht es große strukturelle Prozesse, um eine IT-Infrastruktur in ein neues Zeitalter zu implementieren.

Bimodale IT: der Schritt zur Industrie 4.0

Das Analystenhaus Gartner hat daher bereits 2014 den Begriff der „bimodalen IT“ ins Vokabular der Digitalisierung gebracht und beschreibt damit eine zweigleisige IT-Struktur, die einerseits bestehende Prozesse nutzt und andererseits durch ein zweites progressives Team Innovationen voranbringt.

Der Recherche-Bericht zum Konzept, verfasst von Mary Mesaglio und Simon Mingay  sieht im Aufsetzen eines bimodalen Konzepts vor allem zwei Herausforderungen:

  • Das Konzept muss sofort gestartet werden, eine lange Vorbereitung ist nicht zweckdienlich
  • Das progressive Team (2) muss völlig unabhängig vom traditionellen Team (1) arbeiten können

So soll das progressive Team etliche maßgebliche Voraussetzungen erfüllen, um auch zu einem langfristigen Erfolg zu führen:

  • Team-Mitglieder müssen andere Skills als die des traditionellen Teams haben (flexibler, chaotischer, kreativer, disruptiver)
  • Das Team 2 darf nicht nach den Regeln des Team 1 arbeiten müssen, sondern muss die Möglichkeit haben, gegen die Regeln zu arbeiten
  • Das Team 2 darf nicht von aufgezwungen Arbeitsmethoden des Teams 1 aufgehalten werden
  • Projektmanager des Team 2 müssen immer einen Blick auf das große Ganze behalten und erkennen können, wie Projekte Einfluss auf das Unternehmen haben

Dabei soll Team 2 keinesfalls Ideen generieren, die eine kurze Halbwertszeit haben, sondern vielmehr neue Projekte recherchieren und umsetzen, die in der schnelllebigen Digitalisierung jetzt und nicht nach drei Jahren Testphase relevant sind.
Während anfänglich geraten wird, das zweigleisige Modell vorerst mit einem Pilotprojekt, also einem klar definierten Test in die Unternehmensstrukturen einzuführen, gehen Mesaglio und Mingay davon aus, dass Team 2 schnell wachsen und Team 1 etlicher Aufgaben entheben wird.

Traditionelle IT bringt zwar oftmals Ideen, die solider und grundsätzlicher sind, bleibt jedoch oftmals an den Entscheidungsprozessen und den Korrekturschleifen hängen. Doch in Zeiten der Digitalisierung haben Unternehmen nicht mehr die Zeit, sich langsam den neuen Trends anzunähern. Genau hier soll die bimodale IT unterstützen, neue Anforderungen schnell durchzusetzen, während die traditionelle IT dafür sorgt, dass die Grundbausteine stabil weiterbestehen.

Bimodal oder Trimodal?

Tech-Experte Simon Wardley hat sich auf seinem Blog „Bits and Pieces“ derweil nicht ganz begeistert zu Gartners Konzept geäußert. Ihm fehlt ein ganz besonderer Aspekt, um die Innovationen auch langfristig in das Grundgerüst des Unternehmens zu integrieren.

„Das Problem mit der bimodalen IT liegt in der fehlenden Mittlerkomponente, die wichtig ist, um zu gewährleisten, dass die Arbeit der Innovatoren soweit aufpoliert wird, dass die Produkte in industrielle Strukturen oder Versorgungseinrichtungen eingearbeitet werden können.“

Es gilt also, die Arbeitsweisen von Team 1 und Team 2 getrennt voneinander zu organisieren, damit herkömmliche (und entsprechend langsame) Arbeitswege und –Vorschriften nicht den progressiven Charakter der bimodalen IT behindern.
Gleichzeitig muss es jedoch einen Moment und einen Workflow geben, um die Innovationen in vollfunktionsfähige und zuverlässige Prozesse umzuwandeln.

Aus bimodal wird trimodal

Denn, wie Wardley kritisch anführt, vergisst Gartner in seiner Definition und Anleitung der bimodalen IT die Tatsache, dass flexible und rasante Projekte unter Umständen nicht ganz so solide und zuverlässig ausgeführt werden können, wie es von der traditionellen IT gefordert wird.
Natürlich ist das für die schnelle Weiterentwicklung ein Knackpunkt, der die Innovation erst ermöglicht. Doch wenn diese Projekte nicht von einem – wie Wardley vorschlägt – dritten Team in Form gebracht werden, damit das Team 1 diese auch produktiv umsetzen kann, können sie nicht produktiv eingesetzt werden und bleiben unfertige Ideen.

Wardley unterscheidet daher in Pioniere, Siedler und Stadtbauer. Die Stadtbauer sind Gartners Team 1, die traditionelle IT, die solide Grundbausteine legen muss, damit alles läuft. Die Pioniere sind Team 2, die abenteuerlichen Visionäre, die neue Wege finden, ohne sich lange aufhalten zu lassen. Die Siedler sind hingegen das neue Team 3, das aus der bimodalen IT eine trimodale IT macht und dafür sorgt, dass die Produkte des Team 2 für die industrielle (oder anderweitige) Verwertung brauchbar umgesetzt werden.

Die Zukunft der Digitalisierung

Die traditionelle IT kommt nicht mit der Beschleunigung der Digitalisierung mit, das ist eine Tatsache, die sich auch mit den fluktuierenden Sicherheits-Fragen und Anforderungen der Kunden bestätigt.
Dennoch ist sie immer noch notwendig, denn wer sich ausschließlich auf die neusten Apps, Prozesse und Funktionen konzentriert, verliert das große Ganze aus dem Auge und läuft darüber hinaus Gefahr, eine wackelige Infrastruktur aufzuziehen, die sich eben nicht an neue Anforderungen anpassen kann, sondern ganz im Gegenteil zu undurchsichtig, komplex und kleinteilig ist, so dass sie aus der neuen Flexibilität eine chaotische Sackgasse kreiert.

Daher bietet sich eine zweigleisige IT an, deren Grundbausteine die klassische Wertearbeit und solide Grundlagen garantiert und deren innovativen Auswüchse bzw. Teams neue Trends und Innovationen schnell evaluieren und umsetzen können.

Wichtig ist dabei, um die Vernetzung der beiden IT-Modelle so produktiv wie möglich zu gestalten, eine Verknüpfung bzw. ein drittes Team zu integrieren, dass die Innovationen mit Blick auf die Zukunft des Unternehmens nachhaltig umsetzen und so der traditionellen IT zur Verfügung stellen kann.